Gedanken

Trauerrituale

Unsere Erfahrung zeigt uns, dass es immer mehr Angehörige ohne religiöse Bindung gibt. Sie suchen eigene Formen und Möglichkeiten, sich auszudrücken und vom Verstorbenen Abschied zu nehmen. Dabei helfen Rituale. Bekannt und vertraut sind in der Regel nur die kirchlichen Rituale. Lässt man diese aber einfach weg, fehlt irgendetwas Wichtiges. Das spüren die trauernden Angehörigen und Freunde, das spüren die begleitenden Bestatter. Ohne Rituale im Abschiednehmen bleibt etwas offen. Das Ritual rührt in der Seele an etwas Größerem. Es verbindet die teilnehmenden Menschen miteinander. Das Ritual gibt einen Rahmen, Gefühle auszudrücken, ohne dass diese endlos sein müssen. Es ermöglicht aktives Handeln. Die Kunst in der Leitung von Ritualen besteht darin, durch einen schlichten und verständlichen Ablauf einen Halt zu bieten und gleichzeitig einen weiten Raum zu schaffen, in dem Menschen sich mit den unterschiedlichen Erfahrungen und Bedürfnissen wieder finden. In einer Welt, in der Menschen funktionieren müssen, in der Trauernde fast unsichtbar sind und ihnen kaum Auszeiten zugestanden werden, werden Rituale dringender denn je gebraucht. Alle Formen von Abschiedsritualen – kirchliche, christliche, nichtkirchliche, weltliche – bilden gemeinsam ein Gegengewicht gegen die Entsorgungsmentalität beim Umgang mit den Toten, die in der Seele des Menschen etwas Entscheidendes offen lässt. (aus: bestattungskultur, Ausgabe 1.2105)